Wie viel Zeit wir in der Arbeit verbringen, entscheidet nicht nur über unseren Kontostand – sondern auch über unser Leben: Freizeit, Gesundheit, Familie, Ausbildung oder Engagement.
Die Wahl des Arbeitszeitmodells beeinflusst deinen Alltag massiv.
Aber: Viele wissen gar nicht, welche Rechte sie dabei haben – oder was der Unterschied zwischen den Modellen wirklich bedeutet.
Hier ein Überblick: Was steckt hinter Vollzeit, Teilzeit, Gleitzeit – und worauf solltest du achten?
Vollzeit – der Klassiker mit klarer Wochenarbeitszeit
In Österreich bedeutet „Vollzeit“ meistens:
38,5 bis 40 Stunden pro Woche – je nach Kollektivvertrag.
Üblich sind 5 Arbeitstage, mit 8 bis 9 Stunden pro Tag.
Vorteile:
- Volles Gehalt & Sozialversicherung
- Mehr Pensionsversicherungszeiten
- Oft bessere Karrierechancen
- Anspruch auf alle Kollektivvertragsleistungen
Nachteile:
- Wenig Spielraum für Freizeit oder Weiterbildung
- Oft kaum Vereinbarkeit mit Betreuungspflichten
Gewerkschaftsforderung: Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohn – für mehr Lebensqualität!
Teilzeit – mehr Flexibilität, aber auch mehr Risiko
Teilzeit bedeutet: Du arbeitest weniger als die Vollzeitstunden, z. B. 30, 25 oder 15 Stunden pro Woche.
Achtung: Teilzeit ist nicht automatisch besser vereinbar – oft wird Flexibilität nur einseitig verlangt.
Vorteile:
- Mehr Zeit für Familie, Studium, Ehrenamt
- Möglichkeit zum Wiedereinstieg nach Karenz
Nachteile:
- Weniger Gehalt, oft prekäre Einkommen
- Geringerer Pensionsanspruch
- Weniger Aufstiegsmöglichkeiten
- Mehrfachbelastung durch Arbeit + Care-Arbeit
Viele Frauen arbeiten Teilzeit – und riskieren dadurch Altersarmut.
Darum fordern wir: Faire Einkommen & soziale Absicherung auch in Teilzeit!
Gleitzeit – freie Zeiteinteilung mit fixem Rahmen
Gleitzeit ist ein flexibles Arbeitszeitmodell, bei dem du Beginn und Ende deiner Arbeitszeit innerhalb eines Rahmens selbst bestimmen kannst.
Zum Beispiel: Zwischen 7 und 9 Uhr anfangen, zwischen 15 und 18 Uhr aufhören.
Kernzeiten (z. B. 9–14 Uhr) müssen eingehalten werden.
Gleitzeitvereinbarungen müssen schriftlich geregelt sein!
Vorteile:
- Flexible Anpassung an Alltag, Termine oder Kinderbetreuung
- Keine fixen Überstunden, wenn du mal länger bleibst
Nachteile:
- Gefahr von ständiger Erreichbarkeit
- Kein automatischer Überstundenzuschlag – nur, wenn die tägliche Normalarbeitszeit überschritten wird
Unsere Forderung: Klare Regeln gegen Selbstausbeutung und ständige Verfügbarkeit.
Was du unbedingt beachten solltest:
Vertraglich festgehaltene Arbeitszeit:
Wird oft bei Kündigung oder Lohnerhöhungen wichtig.
Kollektivvertragliche Regelungen:
Je nach Branche gibt’s unterschiedliche Modelle & Zuschläge.
Recht auf Rückkehr in Vollzeit:
Nach Teilzeitkarenz z. B. hast du in vielen Fällen Anspruch darauf.
Verweigerung von Mehrarbeit:
Teilzeit heißt nicht: „Vollzeit arbeiten zum halben Preis!“ – Du darfst Mehrstunden ablehnen.
Gewerkschaften kämpfen für faire Arbeitszeitmodelle
Wir wollen:
- Eine Arbeitszeit, die zum Leben passt
- Gleiche Rechte & Absicherung – egal ob Vollzeit oder Teilzeit
- Recht auf Mitbestimmung bei Arbeitszeitmodellen
- Schluss mit unbezahlten Mehrstunden & Selbstausbeutung
Arbeitszeit ist Lebenszeit – und die gehört fair verteilt.
Fazit: Dein Arbeitszeitmodell soll zu deinem Leben passen – nicht umgekehrt
Ob Vollzeit, Teilzeit oder Gleitzeit – jede Form hat ihre Vor- und Nachteile.
Wichtig ist: Du entscheidest mit.
Und du weißt, was dir zusteht.
Mit der Gewerkschaft an deiner Seite hast du Rückendeckung bei jeder Veränderung.
Du überlegst, das Modell zu wechseln oder fühlst dich ausgenutzt?
Wir beraten dich – anonym, kostenlos und solidarisch.
Werde Mitglied – für faire Arbeitszeiten, die zum Leben passen.
Zugehörige Links bzw. Quellen:
https://www.ams.at/arbeitsuchende/topicliste/arbeitszeitmodelle
https://www.ris.bka.gv.at/Dokument.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Dokumentnummer=NOR40090334
https://www.wko.at/arbeitszeit/gleitende-arbeitszeit
https://www.jusline.at/gesetz/azg/paragraf/4b
https://www.facultas-verlag.at/recht/arbeitszeitflexi