„Kannst du noch schnell was fertig machen?“
„Das Meeting dauert halt länger.
„Du kannst die Stunden ja irgendwann abbauen…“
Kommt dir bekannt vor?
Unbezahlte Überstunden sind kein Einzelfall – sie sind Alltag.
Besonders für junge Beschäftigte, Lehrlinge und Menschen in prekären Jobs.
Aber klar ist auch: Arbeit, die nicht bezahlt wird, ist Diebstahl deiner Zeit.
In diesem Artikel erfährst du, welche Rechte du hast, wie du dich wehren kannst – und warum gewerkschaftlicher Zusammenhalt die stärkste Antwort auf Ausbeutung ist.
Was zählt als Überstunde?
Überstunden sind alle Arbeitsstunden, die du über die gesetzlich oder kollektivvertraglich vereinbarte Normalarbeitszeit hinaus leistest.
Das heißt meistens:
- Über 8 Stunden am Tag oder
- Über 40 Stunden pro Woche
Auch wenn du nur „schnell was nach der Arbeit machst“ oder regelmäßig „länger bleibst“, ist das Arbeitszeit – und die muss erfasst, abgegolten oder ausbezahlt werden.
Habe ich Anspruch auf Bezahlung?
Ja! Du hast rechtlichen Anspruch auf Bezahlung deiner Überstunden.
Das bedeutet:
- Zuschlag von mindestens 50 % auf den Normallohn
- Oder Freizeitausgleich im selben Ausmaß
- Wenn nichts anderes vereinbart wurde: Geld geht vor Freizeit
Auch bei All-In-Verträgen gibt es Grenzen!
Selbst wenn du pauschal bezahlt wirst: Es muss klar sein, wie viele Überstunden abgegolten sind. Alles darüber hinaus muss zusätzlich bezahlt werden.
Was tun, wenn die Überstunden nicht bezahlt werden?
1. Dokumentiere deine Arbeitszeit
- Schreib mit: Wann beginnst du, wann hörst du auf?
- Auch private Notizen oder Screenshots von Mails/Zeiterfassungen können helfen.
- Ohne Beweis ist dein Anspruch schwer durchsetzbar!
2. Sprich mit dem Betriebsrat
- Du bist nicht allein!
- Der Betriebsrat kann vermitteln, Druck machen oder dich unterstützen, deine Ansprüche durchzusetzen.
3. Fordere deine Überstunden ein
- Am besten schriftlich, klar und sachlich.
- Setz eine Frist – zum Beispiel: „Ich bitte um Auszahlung der angeführten Überstunden bis spätestens xx.xx.xx.“
4. Gewerkschaft einschalten
- Wir unterstützen dich bei der rechtlichen Durchsetzung deiner Ansprüche – kostenlos und mit langjähriger Erfahrung.
Wie sieht es bei Lehrlingen & jungen Arbeitnehmer:innen aus?
Besonders junge Menschen werden oft ausgenutzt – frei nach dem Motto: „Du bist ja noch in der Ausbildung.“
Aber:
Auch Lehrlinge haben klare Arbeitszeitgrenzen – meist nicht mehr als 40 Stunden pro Woche, keine Sonntagsarbeit, und kein „einspringen“ ohne Ausgleich!
Wirst du regelmäßig länger drangehängt? Dann melde dich – wir helfen dir, dich zu wehren.
Was tun, wenn der Chef sagt: „Das ist bei uns halt so“?
Dann sagen wir: So geht’s nicht!
Denn:
- Unbezahlte Überstunden sind illegal
- Verjährung beginnt nach 3 Jahren – du kannst rückwirkend Ansprüche stellen
- Druck im Job rechtfertigt keine Ausbeutung
Und vor allem: Ein Betrieb, der nur funktioniert, wenn Menschen unbezahlt schuften, hat ein Problem – kein Geschäftsmodell.
Was wir fordern – für faire Arbeitszeit & gerechten Lohn:
- Lückenlose Arbeitszeiterfassung für alle
- Bezahlung jeder Stunde – mit Zuschlag
- Kontrolle & Sanktionen bei Verstößen
- Schutz von Lehrlingen & jungen Beschäftigten
- Weg mit All-In-Verträgen ohne klare Grenzen!
Fazit: Deine Zeit ist kostbar – jede Stunde zählt!
Unbezahlte Überstunden sind kein Kavaliersdelikt, sondern systematische Ausbeutung.
Aber du bist nicht machtlos – du hast Rechte, du hast Unterstützung, du hast uns.
Du bist betroffen? Melde dich – wir stehen an deiner Seite.
Werde Mitglied – gemeinsam sorgen wir dafür, dass niemand umsonst arbeitet.
Zugehörige Links bzw. Quellen:
https://www.arbeiterkammer.at/ueberstunden
https://www.jusline.at/gesetz/azg/paragraf/10